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Häufig
gestellte Fragen zum Thema Familienstellen
1.
Muss ich meine Familie mitbringen zum Familienstellen?
2.
Wie kommt es, dass die Stellvertreter etwas von den Gefühlen
der dargestellten Personen wahrnehmen? Gibt es eine
(wissenschaftliche) Erklärung dafür?
3.
Kann es passieren, dass aus einer Rolle/Stellvertretung nicht mehr
herausfinde? Kann das Aufstellen gefährlich für mich als
Stellvertreter sein?
4.
Kann jeder Stellvertreter sein, braucht man dazu bestimmte Fähigkeiten?
5.
Gibt es "Gegenanzeigen" ("Kontra-Indikationen")
zum Familienstellen?
6.
Darf bzw. soll ich Angehörigen danach von meiner Aufstellung erzählen?
7.
Kann es sein, dass sich mein Zustand durch eine Aufstellung verschlechtert?
8.
Wie finde ich einen gute/n AufstellerIn?
9.
Ist das, was ich in einer Aufstellung gesehen habe, auch wahr? Oder
nur ein inneres Bild oder gar ein Phantasiegespinst?
10.
Muss ich vor einer Aufstellung Verwandte und Angehörige noch
befragen zu Fakten oder Vorkommnissen?
11.
Kann man auch Tote aufstellen? Auch wenn ich sie gar nicht gekannt habe?
12.
In welchem zeitlichen Abstand kann/darf eine nächste
Aufstellung folgen?
13.
Wie schnell kann sich eine Wirkung zeigen?
14.
Können auch Kinder aufstellen? (Eltern für Ihre Kinder?
Partner für den anderen Partner?)
15.
Welche Auswirkung hat der "Abbruch" einer Aufstellung?
16.
Kann/muss ich eine Aufstellung nachbereiten oder "durcharbeiten"?
17.
Ist es sinnvoll, dass mein Lebenspartner (Geschwister,
Angehörige) bei der Aufstellung dabei ist?
18.
Wie funktioniert Aufstellung in der Einzelarbeit? Ist sie genauso wirksam?
19.
Muss ich eine klar formulierte Frage haben, um aufzustellen?
20.
Werde ich in einer Aufstellung vielleicht gedemütigt oder bloßgestellt?
1.
Muss ich meine Familie mitbringen zum Familienstellen?
Nein. Im Gegensatz zu klassischen
Formen der Familientherapie ist dies weder notwendig noch unbedingt
sinnvoll. Aufgestellt wird das Bild der "Inneren Familie"
des/der Klienten/Klientin.
2.
Wie kommt es, dass die Stellvertreter etwas von den Gefühlen
der dargestellten Personen wahrnehmen? Gibt es eine
(wissenschaftliche) Erklärung dafür?
Es gibt verschiedene Ansätze
zur Erklärung, die hier aber zuviel Raum einnehmen würden.
Ein verbreiteter Ansatz kommt aus der Feldtheorie (z.B. "Das
wissende Feld" Rupert Sheldrake). Es gibt (noch) keine allgemein
anerkannte Theorie, Einigkeit besteht allerdings zunehmend auch in
der Wissenschaft darüber, dass es das Phänomen wirklich
gibt und es nicht auf Phantasie oder Einbildung beruht (siehe z.B.
Veröffentlichungen Peter Schlötter, Carl-Auer-Verlag).
3.
Kann es passieren, dass aus einer Rolle/Stellvertretung nicht mehr
herausfinde? Kann das Aufstellen gefährlich für mich als
Stellvertreter sein?
Mir ist weder aus eigener Erfahrung
noch aus Erzählungen anderer ein solcher Fall bekannt. Meist ist
das Heraustreten aus einer Stellvertretung völlig einfach und
unspektakulär, in seltenen Fällen ist es vielleicht
verzögert, z.B. wenn es keine "Auflösung" in der
Aufstellung gab. Hier gibt es wirkungsvolle Rituale bzw.
Vollzüge, um Reste der Stellvertretung wieder zurückzugeben
an die dargestellte Person. Ein "Hängenbleiben" einer
Rolle kann auch etwas damit zu tun haben, dass ich bzw. mein eigenes
System in Resonanz geraten sind mit der dargestellten Person und
deren System, dass es also bei mir ein ähnliches Thema gibt wie
bei der von mir dargestellten Person. Je nachdem kann ich mit diesem
Thema weiterarbeiten oder es einfach als einen Hinweis (für
später) nehmen.
Für
psychisch oder physisch sehr instabile Personen kann es angeraten
sein, zuerst für eigene Stabilisierung zu sorgen. Im Zweifel
sprechen Sie einfach vorher mit dem Aufstellungsleiter/der Aufstellungsleiterin.
Die positiven Aspekte des
Stellvertreter-Seins werden im Gegensatz dazu von vielen geschildert.
Es gibt Menschen, die selber nie für sich aufgestellt haben und
einfach durch das in Rollen stehen ein sich vertiefendes
Verständnis für verschiedene Lebenssituationen spüren
bzw. Personen, die auch nach eigenen Aufstellungen immer wieder gerne
als Stellvertreter kommen.
4.
Kann jeder Stellvertreter sein, braucht man dazu bestimmte Fähigkeiten?
Jeder kann das. Es handelt sich
offenbar um eine Art von angeborener Fähigkeit, etwas
Instinktähnliches. (Einziges Hindernis kann eine zu große
"Höflichkeit" sein, so dass ich gehemmt bin, meine
Gefühle aus der Stellvertretung offen zu berichten, auch wenn es
sich um "negative" Gefühle handelt.)
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5.
Gibt es "Gegenanzeigen" ("Kontra-Indikationen")
zum Familienstellen?
Da dies verschiedene
Aufstellungsleiter je nach verschiedenem therapeutischem Fundament
unterschiedlich einschätzen, ist es sinnvoll, bei Zweifeln
einfach nachzufragen. Hindernisse können (aber müssen
nicht) beispielsweise sein: Psychiatrische Erkrankungen,
Drogenkonsum, Einnahme von bewusstseinsverändernden oder stark
dämpfenden Medikamenten, Angststörungen.
Je nach persönlicher
Qualifikation und Sichtweise halten z.B. manche diese Methode für
Psychosekranke oder -Gefährdete entweder für ungeeignet
oder gerade für besonders geeignet. Hier ist es besonders
wichtig, nachzufragen und sich ein Bild der Qualifikation des
Aufstellungsleiters/der Aufstellungsleiterin zu machen.
6.
Darf bzw. soll ich Angehörigen danach von meiner Aufstellung erzählen?
Dafür gibt es keine
Faustregel. Eine gute Orientierung ist die Frage, was ich mir selber
davon verspreche und ob es für mich und das Gesamtsystem eher
stabilisierend und klärend wirken könnte oder nicht. Warten
Sie im Zweifel, bis sie in sich eine Antwort finden und preschen Sie
nicht unbedacht vor.
7.
Kann es sein, dass sich mein Zustand durch eine Aufstellung verschlechtert?
Alles was eine tiefe Wirkung hat,
kann auch, ähnlich wie z.B. bei der Homöopathie
beschrieben, hin und wieder zu einer Art
"Erstverschlimmerung" führen. Das Thema rückt
noch einmal stark in den Blick, so dass sich die Energien auch
entsprechend daraufhin bündeln können, um ein neues
besseres Gleichgewicht zu finden. Gewöhnlich wird sich in den
Tagen und Wochen darauf ein neuer Zustand etablieren, der z.B. mit
mehr Kraft, mehr Konzentration, mehr tiefen Gefühlen und auch
Freude, mehr Klarheit einhergehen kann. Vielleicht treten nun auch
aufgeschobene Themen in den Blick, die nun endlich angepackt werden können.
Es kann aber auch in seltenen
Fällen zu einer anhaltenden Verschlechterung des Befindens
kommen. Scheuen Sie sich dann nicht, den Aufstellungsleiter zu
kontaktieren. Vielleicht muss ein Aspekt des Themas noch einmal
angeschaut werden, vielleicht kommt auch ein dahinter liegendes
Problem plötzlich zum Vorschein.
8.
Wie finde ich eine(n) gute(n) Aufsteller(in)?
Am besten natürlich über
Empfehlung (einer vertrauenswürdigen Person). Vorträge
bieten Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Bei vielen kann ich
zunächst als Stellvertreter teilnehmen und mir so ein Bild
machen. Auch Info-Gespräche werden angeboten. Hören Sie auf
ihr inneres Gefühl, suchen sie auch nach sachlichen Infos
(Ausbildung, Erfahrungen) und lassen sie sich nicht zu etwas drängen.
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9.
Ist das, was ich in einer Aufstellung gesehen habe, auch wahr? Oder
nur ein inneres Bild oder gar ein Phantasiegespinst?
Nicht alles ist wahr und/oder real
nachprüfbar, aber es ist für sie persönlich wirk-lich
(im Sinne von Wirkung). Im Fokus einer Aufstellung sollte
übrigens niemals die Frage nach der genauen Exaktheit des Bildes
stehen sondern die nach der Wirksamkeit, der Lösung, die sich
daraus für sie ergibt. Es wurden aber schon oft Bilder in der
Aufstellung gefunden (z.B.: es gibt noch ein Geschwister aus einer
anderen Beziehung meiner Mutter), die sich später bestätigt
haben. Eine Aufstellung kann und soll aber niemals ein
"Lügendetektor" sein.
10.
Muss ich vor einer Aufstellung Verwandte und Angehörige noch
befragen zu Fakten oder Vorkommnissen?
Das ist oft sehr hilfreich und kann
viele gute Gespräche ermöglichen. Kommen Sie aber nicht als
"Detektiv" oder "Richter" zu ihren Verwandten,
das zeigt keine guten Wirkungen. Wenn Sie starke Hemmungen
verspüren, zu fragen, nehmen sie dies ernst und beobachten dies
einfach als einen Hinweis, der vielleicht schon auf ein wichtiges
Thema zielt (Familiengemeimnis, Tabu?). Genaueres wird Ihnen Ihr
Aufstellungsleiter sagen.
11.
Kann man auch Tote aufstellen? Auch wenn ich sie gar nicht gekannt habe?
Ja. Die Wirkung des Schicksals von
verstorbenen Personen kann u.U. sehr groß sein auf mich, auch
wenn ich die Person nie lebend kennengelernt habe.
12.
In welchem zeitlichen Abstand kann/darf eine nächste
Aufstellung folgen?
Dazu gibt es keine festen Regeln.
Hören Sie auf Ihr Gefühl und halten Sie Rücksprache
mit dem/der AufstellungsleiterIn.
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13.
Wie schnell kann sich eine Wirkung zeigen?
Das ist sehr unterschiedlich, von
sofort bis in einem Jahr ist alles möglich.
14.
Können auch Kinder aufstellen? (Eltern für Ihre Kinder?
Partner für den anderen Partner?)
Früher wurde dies mit
Zurückhaltung betrachtet, inzwischen gibt es einige Kollegen,
die mit Erfolg auch mit Kindern und Jugendlichen aufstellen.
Eltern können für ihre
Kinder ohne deren Beisein und deren Einwilligung nach meiner
Auffassung bis ca. Eintritt der Pubertät aufstellen. Danach gilt
es, angemessen darauf Rücksicht zu nehmen, dass sie als
beginnende Erwachsene nun selbst ihr Schicksal in der Hand haben.
Für andere Personen ohne
zwingende Notwendigkeit und ohne ausdrückliches
Einverständnis aufzustellen, ist für mich ein grober
Übergriff in die Intimsphäre!
15.
Welche Auswirkung hat der "Abbruch" einer Aufstellung?
Im Grunde ist jede Aufstellung eine
"abgebrochene", da sie nur einen kleinen Ausschnitt aus
Zeit und Wirklichkeit zeigt, kein statisches unveränderliches
Bild. Manchmal jedoch kommt man wegen Faktenmangel nicht weiter oder
es gibt wichtige Gründe, an einer bestimmten Stelle aufzuhören.
Die Wirkung einer
"abgebrochenen Aufstellung" kann noch meiner Erfahrung
sogar besser oder stärker sein als die einer sehr harmonisch
scheinenden Aufstellung.
16.
Kann/muss ich eine Aufstellung nachbereiten oder "durcharbeiten"?
Ein "Wiederkäuen"
ist eher schädlich, da ich oft damit wieder zurück in das
Problem gehe. Ergänzende Schritte sind aber oft hilfreich, z.B.
Körpertherapie, Kinesiologie, alternative Heilweisen,
lösungsorientierte Psychotherapie und anderes mehr.
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17.
Ist es sinnvoll, dass mein Lebenspartner (Geschwister,
Angehörige) bei der Aufstellung dabei ist?
Eine schwierige Frage. Ich selbst
habe schon gute und nicht so gute Auswirkungen gesehen. Es kann sich
Entscheidendes verändern in ihrer Beziehung durch eine
gemeinsame Teilnahme. Wenn beide dazu bereit sind, kann es sehr gute
Wirkung haben. Fragen Sie individuell nach und spüren Sie, warum
sie den anderen dabei haben möchten.
18.
Wie funktioniert Aufstellung in der Einzelarbeit? Ist sie genauso wirksam?
Hier kann man mit stellvertretenden
Boden-Elementen für die Personen arbeiten (Schuhe,
Papierblätter, Holzfiguren) oder z.B. auch mit Figuren auf dem
Tisch. Ich selber finde die Einzelarbeit oft genauso wirkungsvoll.
Gerade bei intimen Themen kommt sie manchmal eher in Frage. Auf der
anderen Seite hat ein Aufstellungsseminar über die Aufstellung
hinaus gute Erfahrungen zu bieten - andere haben ähnliche
Probleme, ich kann Kontakte knüpfen und ich kann auch
Teillösungen schon in Stellvertreterrollen bekommen. Darüber
hinaus gewinne ich so auch Vertrauen in die Methode.
19.
Muss ich eine klar formulierte Frage haben, um aufzustellen?
Es lohnt sich oft, anhand des
Herausarbeitens einer Frage die inneren Gefühle auf einen Punkt
auszurichten und so schon teilweise zu klären, doch manche
Probleme lassen sich gar nicht richtig fassen. Auch mit solchen
unklar erscheinenden Anliegen kann man arbeiten.
20.
Werde ich in einer Aufstellung vielleicht gedemütigt oder bloßgestellt?
Bert Hellinger selbst hat in seinen
Aufstellungen manchmal einen provokativen Stil, der aus seinem
Können und seiner großen Erfahrung heraus gerechtfertigt
sein kann. Dieser Stil gehört jedoch nicht zur Methode an sich.
Es mag vereinzelt Aufstellungsleiter geben, die dies unreflektiert
kopieren und dann autoritär oder sogar missbräuchlich in
ihrem Vorgehen erscheinen. Machen Sie sich einfach vorab ein Bild des
speziellen "Stils" des Aufstellungsleiter und sprechen sie
auch gezielt über ihre Bedenken. In der modernen
Aufstellungsarbeit hat sich ein behutsamer und respektvoller
Arbeitsmodus etabliert. Generell wird ein guter Aufsteller niemals
ein einzelnes Systemmitglied in demütigender Weise
bloßstellen, genauso gilt dies im Bezug auf das gesamte System.
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Antje Jaruschewski, HP
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