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Einführung
in das Thema Aufstellungsarbeit, Teil I >> zu Teil II

Familien-
und Systemaufstellungen
Lösungen
für das Leben - eine Einführung
Bettina Hübner
Was sind Familien- und
Systemaufstellungen, wo liegen die Ursprünge der Arbeit, wie
sieht die Methode aus und wie kann man das Phänomen des
"Wissenden Feldes" erklären?
Als ich Anfang der 90er Jahre das
erste Mal von der Arbeit Bert Hellingers hörte, konnte ich nicht
glauben, dass so etwas wie "Ordnungen der Liebe"
überhaupt existieren. Und die Lösungen, die er in seinem
gleichnamigen Buch beschreibt, hielt ich für Unsinn und
unmöglich. Erst als ich ca. zwei Jahre später durch Zu-fall
wieder mit dem Thema in Berührung kam (es war auf einem kleinen
Dorf mitten in den Kapaten, wo ich es im Leben nicht erwartet
hätte!) und kurz darauf an einem Seminar teilnahm und die
Wirkung an eigenem Leib und Seele erfuhr, wurde mir klar, dass es
sich um eine wichtige und einschneidende Entdeckung handelt, die
revolutionär für das menschliche Leben und Denken sein
wird. Diese Arbeit wandelt und rettet Leben! Ich entschloss mich ein
halbes Jahr später zu einer berufsbegleitenden Weiterbildung in
"Systemaufstellungen nach Bert Hellinger", die ich in einem
Institut in der Nähe von Hannover absolvierte. In diesen zwei
Jahren erhielt ich nicht nur eine fundierte Ausbildung dieser
Methode, vielmehr bekam ich die Möglichkeit, mich mit meiner
eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen und durch eigene
Aufstellungen Lösungen für mich und mein Leben zu erhalten.
Heute leite ich selbst ein Institut
in Düsseldorf und kann mir nichts anderes vorstellen, als diese
Arbeit zu machen. Es ist im therapeutischen Bereich das sinnvollste
und effektivste, was ich je gesehen und gemacht habe. Das
Schönste aber ist, die Menschen zu sehen, die in meine Seminare
kommen. Oft kommen sie mit schwerwiegenden Anliegen, die mit Tod,
Gewalt und Verlust zu tun haben. Der Schmerz und die Trauer stehen
ihnen ins Gesicht geschrieben und sie haben dies häufig schon
jahrzehntelang mit sich getragen. Zaghaft und ein bißchen
ängstlich berichten sie mir, was in ihrer Gegenwartsfamilie und
/ oder Herkunftsfamilie passiert ist. Nachdem ich mit ihnen
gearbeitet habe, sehe ich dann ganz andere Gesichter: erleichterte,
gelöste, manchmal etwas müde, aber entspannte und freudige
Gesichter. Man kann es in ihren Augen sehen: Es hat gewirkt! Oft
rufen mich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein paar Wochen nach
ihrem Seminar an und berichten mir, wie die Lösungen, die in
ihren Aufstellungen stattgefunden haben, sich auf ihr Leben, ihre
Familien, ihre Arbeit, ihre Gesundheit und ihr näheres Umfeld auswirken.
Da die systemische
Aufstellungsarbeit in vielen Bereichen des Lebens gute Lösungen
bewirken kann, entscheiden sich immer mehr Menschen,
Systemaufstellungen als Methode kennenzulernen, um sie in ihr Leben
und ihre Arbeit zu integrieren.
Geeignet ist die Methode der
systemischen Aufstellungsarbeit für folgende Berufsgruppen:
Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Heilpraktiker, Psychologen,
Ärzte, Berater, Logopäden, Krankenschwestern,
Krankenpfleger, alle lehrenden Berufe wie Erzieher, Lehrer, Dozenten,
Professoren, Politiker, Anwälte, Organisatoren, sowie für
Künstler, Schauspieler, Filmemacher, Schriftsteller. In jedem
Seminar und in jeder Weiterbildung ist auch Platz für Menschen,
die diese Arbeit einfach nur für sich selbst machen wollen.
Der
Ursprung der Arbeit
Mit dem Begriff Systemaufstellungen
werden alle Arten von Aufstellungen beschrieben, die ihren Ursprung
im Familienstellen nach Bert Hellinger haben.
Das Familienstellen, vor 20 Jahren
von Bert Hellinger entwickelt, ist eine Form systemischer
lösungsorientierter Arbeit. Sie basiert auf einer
Mehr-Generationen-Perspektive und auf elementaren Ordnungen und
Gesetzmäßigkeiten in Systemen. Beim Aufstellungsverfahren
wird unterschieden zwischen Familienaufstellungen,
Organisationsaufstellungen, Krankheits- und Symptomaufstellungen und
"Bewegungen der Seele". Das Aufstellungsverfahren hat
Vorläufer bzw. gründet auf unterschiedlichen
therapeutischen und philosophischen Richtungen (Systemtheorie,
Konstruktivismus, Hypnotherapie, Gestalttherapie, Psychodrama, NLP
u.a.), wobei alle neueren Aufstellungsverfahren
zurückzuführen sind auf die "Ordnungen" und
"Dynamiken", die Bert Hellinger als Gründer des
Familienstellens erkannt und weiterentwickelt hat.
Hellingers Erkenntnisse zu
generationsübergreifenden Dynamiken zeigen den einzelnen
Menschen in seinen systemischen Verstrickungen. Durch die Entwicklung
des Familienstellens ist es gelungen, einen neuartigen Zugang zu
"Ver(w)irrungen", Störungen und Krankheiten in
Familien zu gewinnen und neue Erkenntnisse zu erhalten zu den
systemischen Bindungen von Menschen in ihrem Ursprungssystem:
"unsichtbare Bindungen" als Grundlage von
Individualität, (Lebens-)Haltungen, Gefühlen, Gesundheit
und Krankheit. In Familiensystemen wirken auf einer tiefen Ebene
Kräfte, die Menschen in das systemische Ganze ihrer Sippe
einbinden: wir alle leben in unserem jeweiligen System in einer
Sippengemeinschaft und daraus folgend ebenso in einer "Schicksalsgemeinschaft".
Die
"Familienseele" und die systemische Bindung
Alle Mitglieder einer Familie sind
in einer gemeinsamen, größeren Seele, einer
"Familienseele", miteinander verbunden, und zwar sowohl die
lebenden wie auch die verstorbenen. Diese "Familienseele"
wirkt als höhere Instanz, die über die gesamte Sippe wacht.
Wir können uns die "Familienseele" durchaus als etwas
wie einen eigenständigen Organismus vorstellen, einer Instanz
mit einer ganz eigenen Wirkungsweise, mit ganz eigenen Gesetzen und
Ordnungen. Werden diese Ordnungen von Familienmitgliedern verletzt,
wirkt diese Instanz, um diese Verletzung wieder auszugleichen. Die
"Familienseele" duldet keinen Ausschluss. Dazu bedient sie
sich beliebiger, meist der jüngeren Familienmitglieder, also der
Nachfahren. Sie vergisst niemanden und hat das Ganze im Blick,
weshalb sie dem Einzelnen, der von ihr "in die Pflicht"
genommen wird, als unfair oder gar grausam erscheinen kann. Hier gibt
es keine Gerechtigkeit, nur systemische Bindung. Die
Bindungskräfte zeigen sich in einer Aufstellung als Liebe,
unabhängig davon, ob es sich um etwas Zerstörerisches oder
Wachsendes handelt. Besonders deutlich wird das, wenn es sich um
Themen wie beispielsweise Tod, Gewalt und Krankheiten handelt. Wie
kann sich ein solches Wirken darstellen?
o Ein totgeborenes Kind wird nicht
mehr erwähnt, und vielleicht wissen die späteren
Geschwister gar nichts von ihm. Die "Familienseele" gleicht
diesen Verlust aus, indem dieses Kind nun von einem anderen
"vertreten" werden muss. Dieses Vertreten kann so aussehen,
dass ein Geschwister krank wird oder depressiv wird oder sich sogar
umbringt. Oder es vertritt den totgeborenen Bruder bzw. die
totgeborene Schwester, indem es später selbst ein Kind verliert.
o Ein Onkel ist im 2. Weltkrieg
gefallen. Über diesen Onkel wird nicht mehr gesprochen, und
über seine Geschichte ist bei seinen Neffen und Nichten nichts
bekannt, vielleicht weil der Familie sein Engagement im 3. Reich
peinlich ist. Ein Neffe z.B. kann nun ohne einen offensichtlichen
Grund ein aggressives Verhalten entwickeln. Er "rächt"
sozusagen das Verschweigen des Onkels in einer Weise, die dem Onkel
zu eigen war.
o Ein Mann verliert in den
Kriegswirren seine erste Liebe. Er heiratet später eine andere
Frau und hat mit ihr auch eine Tochter. Häufig ist von solchen
ersten Lieben in der späteren Familie nichts mehr bekannt. Die
"Familienseele" erzwingt bei einem solchen Verschweigen
z.B., dass die erste Frau, in der Regel von einer Tochter vertreten
wird. Diese Tochter wird nun zwangsläufig zum Vater eine
erotisch gefärbte und zur Mutter eine Konkurrenzbeziehung entwickeln.
Das klingt paradox, nicht wahr!
Dennoch hat es sich in tausenden von Aufstellungen, die von Bert
Hellinger und seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern durchgeführt
wurden, immer wieder bestätigt, dass diese
"Verstrickungen" innerhalb der Systeme existieren. Die
Zugehörigkeiten zum Familiensystem sind von großer
Bedeutung, weil Leben, Schicksal und Tod eines jeden
Familienmitgliedes Einfluss auf die gemeinsame
"Familienseele" und damit auf die einzelnen
Familienmitglieder hat.
Wer
gehört zum Familiensystem?
Wer gehört also zu meinem
System? Es gehören dazu die Geschwister, einschließlich
der Halbgeschwister, der totgeborenen und verstorbenen, sogar der
abgetriebenen, die Eltern und deren Geschwister, die Großeltern,
selten auch deren Geschwister und manchmal auch die
Urgroßeltern. Mit diesen Verwandten ist jeder im Familiensystem
verbunden und oft auch mit den Ahnen davor, denn in manchen
Familiensystemen wiederholen sich bestimmte Schicksale oft über
Jahrhunderte immer wieder. Neben den Verwandten gehören
ebenfalls solche Menschen zum System, die in enger schicksalhafter
Verknüpfung zu einem der Familienmitglieder standen, z.B. ein
erster Partner der Eltern oder Großeltern, Opfer, denen von
einem der Familienmitglieder Schlimmes angetan wurde und Täter,
die einem Familienmitglied Unheil zugefügt haben.
Die
Methode
Jeder Mensch hat ein eigenes
inneres Bild seiner Familie, welches die Beziehung zur Familie, zu
anderen Menschen und zur Wirklichkeit definiert. Dieses innere Bild
wird in einer Familienaufstellung sichtbar.
Wie findet eine solche Aufstellung
statt? In einer Seminargruppe von 12-20 Teilnehmer bringt jeder
Teilnehmer sein Anliegen einzeln in einem kurzen Gespräch mit
dem Seminarleiter bzw. Therapeuten vor. Der Therapeut erfragt
zunächst die notwendigsten Fakten. Nicht wichtig sind hier
Aussagen wie "Mein Vater hatte nie Zeit für mich."
oder "Meine Mutter hat immer meinen Bruder vorgezogen."
usw. Wichtig sind eindeutige Ereignisse, die Einfluss auf die Familie
haben, wie: "Wer gehört zum System?" "Gab es in
der Familie einen frühen oder besonderen Tod?" Gab es
besondere Schicksale, wie z.B. Behinderung oder Vertreibung? Hat
jemand einem anderen Unheil zugefügt bzw. ist Unheil
zugefügt worden? War jemand von den Eltern oder Großeltern
vorher in einer festen bedeutsamen Beziehung? - Die Antworten auf
diese Fragen entscheiden über die Art der Aufstellung.
Der Klient (bzw. die Klientin, der
Einfachheit halber wird im weiteren Verlauf vom Klienten gesprochen)
wählt dann nach Vorgabe des Therapeuten aus der Gruppe
Stellvertreter für die Mitglieder seiner Familie und für
sich selbst aus und stellt sie räumlich in Beziehung zueinander.
Diese Stellvertreter werden vom Klienten so zueinander aufgestellt
wie das innere Familienbild der aufstellenden Person ist. Auch
für sich selbst sucht der Klient eine Vertretung.
Unter Zuhilfenahme der Aussagen der
Stellvertreter und des eigenen Bildes von den "Ordnungen der
Liebe" arbeitet der Systemtherapeut bzw. die Systemtherapeutin
an einer kraftvollen Lösung für alle Beteiligten des
Systems. Das anfängliche Problembild wird durch Umstellen,
Interaktion und Lösungssätze in ein Lösungsbild
verwandelt, dass sich auf alle Beteiligten heilsam auswirkt.
Das
Phänomen des "systemischen Feldes" und der
"stellvertretenden Wahrnehmung"
Wie kommen wildfremde Menschen
dazu, in den Aufstellungen so zu fühlen wie die richtigen
Familienmitglieder, die sie nicht kennen und von denen sie im Grunde
überhaupt nichts wissen?
Stellen Menschen in einer
Aufstellungsgruppe gesammelt ihre Familie durch Stellvertreter auf,
scheint es so, als ob diese Stellvertreter mit einem
größeren Wissen in Kontakt kommen: ihre Wahrnehmung
verändert sich in diesem systemischem Feld, und man könnte
sagen, dass sie als Stellvertreter Grundgefühle und
Grundhaltungen der Personen verkörpern, die sie darstellen.
Diese Wahrnehmung wird auch als "stellvertretende
Wahrnehmung" bezeichnet. In diesem systemischen Feld kann auch
deutlich werden, was Kinder für ihre Eltern tragen, welche
Dynamik durch Ausgeschlossene und Vergessene entstanden ist, wenn
Familienmitglieder schuldig geworden sind und gegen elementare
menschliche Werte und Ordnungen verstoßen haben.
Die Stellvertreter übernehmen
Gefühle, Körperreaktionen und Empfindungen, die zum Platz
bzw. zur Rolle derjenigen Person gehören, die sie vertreten.
Diese Empfindungen können unterschiedlich intensiv sein;
Menschen erleben als Stellvertreter z.B. Gefühle von Trauer und
sogar Schmerz, Abgeschnittenheit oder Zugehörigkeit, Kälte
oder Hitze, Übelkeit, Freude und Liebe u.a. Bert Hellinger nennt
das "Wissen durch unmittelbare Teilhabe". Dieses Wissen und
die "Stellungskonstellationen" in den Aufstellungen geben
Rückschlüsse auf die Dynamiken des dargestellten Systems.
Hokuspokus
oder therapeutische Methode?
Zu Beginn eines Seminars stelle ich
die Methode kurz vor und jedesmal ist die Skepsis spürbar, wenn
es um das Phänomen der "stellvertretenden Wahrnehmung"
geht. Wie sollte es auch anders sein? Zu phantastisch erscheint die
Vorstellung, dass mein Nebenmann meinen Vater in seinen
Grundzügen korrekt darstellen könnte oder ich selbst in die
Rolle von Omas, Müttern, Tanten, Töchtern, usw.
schlüpfen könnte, ohne etwas über sie zu wissen. Das
einzige, was ich in dem Moment weiss, ist, dass ich für diese
Person aufgestellt werde. Ich bin ja kein Medium, oder? Dann
wären wir alle Medien! Ein Mann meinte mal in einem Seminar zu
mir, dass er der Meinung war, dass es sich hier um Schaupielerei
handele. Er konnte es verständlicherweise nicht glauben, dass
diese Methode funktioniert. Erst als er selbst im Laufe des Tages in
verschiedenen Rollen gestanden hatte, darunter eine schwerwiegende
Rolle, in der ein Sohn durch seinen Vater extreme Gewalt erfahren
hatte, sagte er, er wisse zwar nicht, wie das Ganze funktioniere,
aber er habe es besonders durch die Rolle dieses Sohnes, der ja sehr
viel Schmerz und Trauer in sich trug, an seinem Körper
(=Schmerz) und in seinem Herz (=Trauer) so deutlich spüren
können, dass er nun überzeugt sei, dass es sich hier nicht
um Hokuspokus handele. So passiert es häufig in der Praxis:
Sobald man selbst als Stellvertreter aufgestellt wird und in dieser
Rolle tatsächlich erlebt, was der jeweiligen Person zu eigen
ist, ist die Skepsis verschwunden. Doch die Frage "Wie ist das
möglich?" kann keiner wirklich beantworten. Ich auch nicht!
Ich weiss nur, dass es wirkt und ich halte es in dieser Hinsicht wie
Bert Hellinger, der sagt: "Erlaubt ist, was wirkt."
Müssen wir denn immer alles
beweisen? Gibt es nicht unzählige Beispiele in der Geschichte,
wo Menschen wegen ihrer Entdeckungen verfolgt und sogar getötet
wurden, die sich dann Jahre später als wahr erwiesen haben und
heute als selbstverständlich gelten?
Wenn es um die Methode der
Systemaufstellungen geht, gibt es vier verschiedene Grundhaltungen:
1.
Die Kritiker
Dies sind fast immer diejenigen,
die die Arbeit nicht kennen, d.h. sie haben eventuell schon davon
gehört, aber eigene Erfahrungen haben sie keine gemacht. Hierbei
spielt es auch keine Rolle, ob es sich um den
"Otto-Normalverbraucher" handelt oder ob die Leute vom Fach
(Ärzte, Psychologen, Pädagogen, Heilpraktiker, usw.) sind.
Oft sind es gerade die "Experten", die aus einem anderen
Fachgebiet, beispielsweise der Psychoanalyse kommen, die meinen, ein
theoretisches Urteil abgeben zu können. Sätze wie "Das
kann nicht sein.", "Das ist nicht wissenschaftlich.",
"Das ist erfunden." sind typische Haltungen gegenüber
der Methode des Familienstellens. In Wirklichkeit wissen sie gar
nicht, wovon sie reden! Erst die eigene Erfahrung als Stellvertreter
in einer Aufstellung kann zeigen, ob es sich um etwas authentisches
handelt, denn kein theoretischer Gedanke ersetzt diese
Selbsterfahrung. Ich lade daher alle Kritiker ein, erst die Erfahrung
zu machen und sich dann eine Meinung zu bilden. Schließlich
gehörte ich selbst mal zu den Kritikern, wie ich eingangs
beschrieben habe, und heute weiss ich, dass ich mich geirrt habe.
2.
Die Mystiker
Hier handelt es sich um eine
Haltung, die das Ganze zu einer übersinnlichen und mystischen
Erfahrung macht. Das Gefühl, mit einem größeren
Wissen in Berührung gekommen zu sein, verleitet manche Menschen
dazu, eine Erklärung außerhalb dieser Welt zu suchen und
das Ganze in etwas Übernatürliches zu verklären. In
den Seminaren stellt sich das oft so dar, dass sie plötzlich
alles, was sie erfahren haben, in einen luftleeren Raum bringen, der
sozusagen über ihnen schwebt. Die Menschen, die sich so
verhalten, haben eigene Erfahrungen als Stellvertreter und eigene
Aufstellungen gemacht, meinen aber nun sie müssten jetzt eine
Erklärung dafür finden. Der Grund ist meistens einfach: Sie
können die Erfahrung nicht ignorieren, aber ihre Ratio verlangt
nach Erklärung. Also begeben sie sich in einen mystischen Raum,
damit sie das Erfahrene "im Griff" haben. Im Grunde ist das
auch eine Haltung, die das Ganze kontrollierbar und erklärbar
machen will. Hier wird im Gegensatz zu den Kritikern die
Erklärung nur auf einer anderen Ebene gesucht.
3. Die Wissenschaftler
Aus dieser Sicht haben wir es mit
einem neuen Phänomen zu tun, für das es entweder schon
irgendwo eine Theorie gibt, die nur noch angepasst und auf das
Familienstellen ausgedehnt werden muss. Oder eine neue Theorie muss
her, die das Ganze wissenschaftlich erklärbar macht. So meinten
einige, mit der Theorie des morphogenetischen Feldes von dem Biologen
Rupert Sheldrake eine umfassende Erklärung gefunden zu haben. Er
selbst hat an Aufstellungsseminaren teilgenommen und war begeistert
seine Theorie der morphischen Resonanz in der Methode des
Familienstellens wiederzufinden. Seine Theorie gibt tatsächlich
aufschlussreiche Hinweise zu dem Phänomen des systemischen
Feldes, aber ob sie dies schlechthin erklärt, wissen wir im
Grunde auch nicht.
4.
Die Pragmatiker
Die pragmatische Haltung ist die,
sich von dem systemischen Feld etwas zeigen zu lassen, damit zu
arbeiten und offen zu sein für Neues und Unbekanntes, was sich
vorher noch nie gezeigt hat. Dies ist die schwierigste Haltung
für die meisten Menschen, denn sie setzt voraus, dass man sich
immer wieder in den Prozess der Arbeit mit dem systemischen Feld
begibt und bereit ist, genau hinzuschauen und von ihm zu lernen.
Mittlerweile hat sich das Familienstellen sehr weiterentwickelt und
auch, wenn man die "Ordnungen der Liebe" kennt und die
Dynamiken in Familiensystemen studiert hat, zeigen sich in den
Aufstellungen immer wieder neue Aspekte, die die Arbeit erweitern.
Die "Bewegungen der Seele" sind eine der weitreichendsten
Formen der Aufstellungsarbeit geworden. Gerade diese
Weiterführung des klassischen Familienstellens führt zu
neuen und bahnbrechenden Erkenntnissen sowie zu individuellen
Lösungen in der Arbeit.
Die
"Bewegungen der Seele"
Wenn man davon ausgeht, dass es
eine Seele gibt, ist es dann nicht möglich, dass diese Seele uns
etwas zeigen kann? Die meisten Menschen glauben, dass es eine Seele
gibt. Erstaunlicherweise ist dies unabhängig davon, ob sie einer
Religion oder Konfession angehören. Auch die meisten Atheisten
glauben, dass es eine Seele gibt. In den Aufstellungen hat sich
herausgestellt, dass, wenn man sich ganz auf den Prozess im
systemischen Feld einläßt und statt mit Worten, mit
Bewegungen arbeitet, die Lösungen oft wesentlich tiefer gehen
und zu überraschenden Wendungen führen. Bert Hellinger hat
dies die "Bewegungen der Seele" genannt, weil die
Lösungen auf einem Wissen basieren müssen, das wir nicht
mit unserem Intellekt und auch nicht mit unserer Intuition leisten
können. Die Lösungen durch diese Bewegungen gehen so tief,
dass es sich um ein wie auch immer geartetes übergeordnetes
Wissen handeln muss. Die Frage ist, wo ist es angesiedelt oder wo
kommt es her?
Existenz
eines anderen Wissens?
In den Aufstellungen ist ganz klar
zu sehen, dass es eine Wissensvermittlung ohne Informationsaustausch
oder irgendeiner Kommunikation gibt. Durch die Stellvertreter
offenbart sich ein Wissen, dass sie selbst nicht haben und dass ihnen
nicht gehört. Sie offenbaren etwas, von dem sie nicht wissen,
wieso es wissen. Dennoch existiert dieses Wissen und in einigen
Fällen stellt es sich hinterher, wenn die Klientinnen und
Klienten entsprechend recherchieren, als überprüfbar und
wahr heraus. Bert Hellinger nennt dies "Wissen durch
unmittelbare Teilhabe". Offensichtlich haben wir an etwas Teil,
was über unser Alltagsbewußtsein, unsere persönliche
Erfahrung und unsere Informationen hinausgeht. Wo aber existiert es?
Wie kommt es, dass es in den Aufstellungen zu einem
Informationsaustausch bezüglich Gesundheit und Krankheit, Leid
und Glück, Leben und Sterben kommt? Und, dass es zu Lösungen
kommt, auf die wir als gebildete und zivilisierte Menschen niemals
kommen würden? Gibt es eine Intelligenz, zu der wir sonst keinen
Zugang haben? Schwingungen von etwas, dass bis jetzt noch nicht
meßbar ist? Vielleicht wird es auch nie meßbar sein.
Dennoch, die Erkenntnisse aus den Aufstellungen zeigen, dass dieses
Wissen existiert!
Das
entscheidende Kriterium: Die Wirkung
Heute bin ich der Meinung, dass es
keine Rolle spielt, ob ich dieses Wissen überprüfen kann.
Das, was mich interessiert ist, dass es funktioniert. Mit all dem,
was ich gelernt habe, ist die Methode des Familienstellens und der
daraus entstandenen Systemaufstellungen eine echte Bereicherung
für meine Arbeit. Die Wirkung der Lösungen sehe ich in
meinen Seminaren als das entscheidende Kriterium. Ist es nicht ein
Fortschritt, wenn wir durch die Methode der Systemaufstellungen neue
Erkenntnisse gewinnen in Bezug zu psychischen, körperlichen,
geistigen, gesellschaftlichen, politischen Problemen? Und nicht nur
das. Es sind Lösungen möglich, die wir vor dieser Arbeit
nicht für möglich gehalten hätten!
© 2003 by Bettina Hübner,
erschienen in: systemische AufstellungsPraxis, Ausgabe 1/2004
Bettina
Hübner,
Leiterin
des Institut BHS, Jhg. 1962, Dipl.-Päd. (Univ.),
Kunstpädagogin, Dozentin, Familien- und Systemtherapeutin.
Weiterbildung:
Montessori-Pädagogik, Gesprächspsychotherapie nach Rogers
und Familienstellen nach Hellinger.
Seit
1995 Dozentin in Hochschule, Unternehmen und in freier Praxis.
Einzelsitzungen, Seminare und Fortbildungen in Familien- und Systemaufstellungen.
Mitglied
der IAG - Regionalgruppe NRW.
Info:
Dipl. Päd. Bettina Hübner,
Institut BHS
Ickerswarderstr. 117, 40589 Düsseldorf
Tel: 0049(0)211 - 1790922, Fax: - 1790923
Email: info@familienstellen-duesseldorf.de
web: www.familienstellen-duesseldorf.de
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